Schöne Königinnen

Ein Blog über weibliche Souveränität

Ein altes Marienlied

Gegrüßet seist du, Königin, o Maria,

erhab’ne Frau und Herrscherin, o Maria!

Freut euch, ihr Kerubim, lobsingt, ihr Serafim,

grüßet eure Königin: Salve, salve, salve, Regina!

O Mutter der Barmherzigkeit, o Maria,
du unsres Lebens Süßigkeit, o Maria!

Souveräninnen

(…) Man kann sagen, dass sie aus Zufall Königinnen geworden sind, aufgrund unvorhersehbarer historischer Ereignisse, und zwar wurden sie es gerade dank ihres Ausschlusses aus den dynastischen männlichen Apparaten, nämlich in einem Moment, als diese dem Strom der Ereignisse nicht standhielten. Aber gerade weil sie es in einem Moment wurden, in dem der exklusiv männliche Apparat zusammenbrach, genossen einige Frauen, die Königinnen geworden waren, eine besondere Freiheit: die Freiheit, so zu handeln, wie sie es für das Beste hielten. Denn da sie den Thron nicht geerbt hatten, befanden sie sich außerhalb des Symbolischen des Königtums als direkt von Gott kommend, also außerhalb der daraus folgenden Inszenierung.

Auch wir profitieren heute von einem ähnlichen Paradox: Wir könnten Souveräninnen werden, weil die Zeiten dafür gut sind, und nicht, weil es unser Recht wäre.

In der Tat ist weibliche Souveränität, wenn sie ausgeübt wird, schon für sich genommen Unabhängigkeit von der Irrealität, die die im Todeskampf liegenden Institutionen geschaffen haben. Sie gewährleistet die Rückkehr zur Realität und zur Möglichkeit, die Wahrheit zu sagen, ohne die Macht mit selbstmörderischem Heroismus herauszufordern. Weibliche Souveränität kann uns helfen, an einer Beziehung der Differenz mit den Männern zu arbeiten. Indem wir sie praktizieren, können wir Zeugnis dafür ablegen, dass wir durchaus in der Lage sind, das männliche Bedürfnis danach zu respektieren, Institutionen und Konstruktionen aufzubauen, in deren Rahmen es bis heute nötig gewesen ist, sich jede Sache einzuverleiben, die frei zur Welt kommt. Wir respektieren diese Tatsache, die sie betrifft, aber wir können ihnen auch helfen, die Geschichtlichkeit ihrer Konstruktionen zu erkennen und zu verstehen, dass sie auf gesetzlichem Weg offensichtlich unreformierbar sind. Ich glaube wirklich, dass es nicht möglich ist, »von oben nach unten« den Typ Institution zu reformieren, der jene Wurzeln hat, von denen ich erzählt habe. Diesen Ursprung, dieses Symbolische, diesen Standort – all dies kennen wir inzwischen vorwiegend durch die Demonstration seiner Unfähigkeit, die Probleme der Lebenden anzugehen. Wir haben sie akzeptiert, wir können sie als Vermittlungen akzeptieren, die bisher notwendig waren, aber, jawohl: Heute leben wir in einer besonderen Zeit, und daher können wir dafür kämpfen, etwas anderes zu machen, indem wir andere Haltungen praktizieren, die sich aus der weiblichen Wurzel der Souveränität herleiten.

Souverän bedeutet über dem Gesetz. Wie oft haben wir diese Formel angerufen, seit wir gelernt haben, dass das mystische Denken auch ein praktisches und politisches Denken ist, und dass Mystiker und Mystikerinnen sich wirklich symbolisch »über dem Gesetz« angesiedelt haben! Souverän zu sein, gerade weil man über dem Gesetz steht, das alle Defekte derer trägt, die es erfunden und überliefert haben, bedeutet, sich in die Lage zu versetzen, eine Gewähr zu geben für die Realität, ihre Großartigkeit und ihre Tiefe, die Wurzeln und die Ursprünge der Existenzen, die sie bilden. Die Fähigkeit, sich über das Gesetz zu stellen – wobei man es gleichzeitig respektiert und respektierbar erhält für jene, für die das eine symbolische Notwendigkeit ist – ist typisch für die Souveränität dessen, wozu Frauen aller Arten fähig sind. Und sie bürgt für eine wirksame und wohltuende Neuinterpretation der Realität der Gegenwart, die momentan vom menschlichen Gesetz gebeugt, verdreht und mystifiziert wird. (…)

Annarosa Buttarelli: Souveräninnen. In: Diotima: Macht und Politik sind nicht dasselbe.

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