Schöne Königinnen

Ein Blog über weibliche Souveränität

Wer wir sind

Wir nannten unsere Mailingliste einmal „Kultur schaffen„, und diesen Namen haben wir einfach beibehalten, ohne ihm viel Bedeutung zu geben. Wir (etwa zehn Frauen, die ursprünglich durch die drei Jahre hintereinander stattfindende Diskussion der 1999 erschienenen Flugschrift „Liebe zur Freiheit, Hunger nach Sinn“ zusammenfanden) treffen uns in der Regel einmal im Jahr zu einem „geistig-seelischen Wellnesswochenende“, einem gemeinsamen Denkwochenende.

Bei einem dieser Treffen, bei dem wir über Organisationsformen und Tradierungsweisen der Frauenbewegung nachdachten,  stellten wir fest, dass wir keine „Gruppe“ sind, wir fanden stattdessen den Begriff „Knäuel“ für die Art unseres Zusammenseins: Wir sind keine feste, auf Dauer angelegte Einrichtung. Es gibt Verbindungen zwischen uns, die sich zu bestimmten Zeiten und in bestimmten Kontexten zusammenknäueln, wobei wichtige Entwicklungs- und Veränderungsprozesse angestoßen werden, die dann wieder in anderen Beziehungen, Beziehungsnetzen, Knäueln und auch in Gruppen, Institutionen und dergleichen wirksam werden.

Das Jahr über haben nur die von uns miteinander Kontakt, die in anderen Konstellationen zusammenkommen, beispielsweise in der Redaktion der Onlinezeitschrift beziehungsweise-weiterdenken, bei deren Entstehen unser gemeinsames Nachdenken eine wichtige Rolle gespielt hat, auch der Name „bzw-weiterdenken“ wurde dabei gefunden. Beziehungs-weise kommt dann auch immer mal wieder eine neue Frau zu unserem Knäuel hinzu.

Unsere Treffen haben nicht das Ziel, an bestimmten Projekten zu arbeiten oder sie hervorzubringen. Wir denken nur gemeinsam, ohne Ergebnisdruck. Doch nach jedem Treffen fühlen wir uns reich beschenkt und gestärkt und nehmen unsere neuen Erkenntnisse, Worte und Bilder mit in unser jeweiliges Leben mit all seinen Beziehungen, Projekten und Alltäglichkeiten: als Lehrende in der Erwachsenenbildung und an der Universität, als Mütter, Hausfrauen und Beziehungspartnerinnen, als therapeutisch und supervisorisch Tätige, als Publizistinnen, als ehrenamtlich Tätige und in politischen Kontexten Engagierte.

Im Laufe der Jahre hat sich ein bestimmter Ablauf unserer Treffen bewährt, den einige von uns inzwischen auch auf andere Kontexte übertragen haben, beispielsweise auf die Redaktionstreffen von bzw-weiterdenken. Sogar bei einer Tagung mit 30 Frauen war es möglich, mit den von uns erprobten Formen in einen fruchtbaren gemeinsamen Denkprozess zu kommen. Über die gefundenen Praktiken denken wir immer wieder nach und verändern sie. Dabei schöpfen wir aus unserer Erfahrung in der Frauenbewegung, besonders viel lernten und lernen wir von unseren politischen Freundinnen von „Diotima“ und „Libreria delle donne di Milano“, die mit dem Begriff „Von sich selbst ausgehen“ das wichtigste Prinzip dieser Art des gemeinsamen Denkens benannt haben. Von der Diotima-Autorin Chiara Zamboni erschien 2009 ein Buch über dieses „Denken in Präsenz“ (Pensare in presenza, Liguori editore, Napoli), über dieses mündliche Philosophieren in der Alltagssprache, das gerade von einer von uns übersetzt wird.

Wir beginnen am Freitagnachmittag oder -abend mit einer ausführlichen Erzählrunde, bei der jede von dem spricht, was ihr gerade am Herzen liegt und auf den Nägeln brennt, und was das Jahr über in ihrem Leben los war. Meistens zeichnen sich dabei schon die wichtigsten Themen ab. In einer zweiten Runde sammeln wir die Themen und entscheiden, womit wir beginnen. Nach jeder Pause gehen wir quasi einen Schritt zurück und betrachten unseren Prozess, indem jede berichtet, wo sie gerade steht, wie es ihr geht und wie sie gern weitermachen möchte. Manchmal brauchen wir eine zweite und vielleicht sogar eine dritte Runde, bis alle mit der Entscheidung für das Thema des nächsten Abschnitts zufrieden sind.

Am Samstag- und manchmal auch am Sonntagmorgen beginnen wir mit einer „Traum-Matrix“. Das ist eine bestimmte Methode, in einer Gruppe über Träume zu sprechen – erinnerte Träume der vergangenen Nacht werden erzählt, dann wird frei dazu assoziiert. Diese Methode geht davon aus – und das zeigt sich auch in unserer Erfahrung damit – , dass unsere Träume während eines intensiven Zusammenseins mit anderen etwas miteinander zu tun haben. Manchmal tauchen hier Bilder auf, die wir im weiteren Denkprozess brauchen können.

Bisher ist es uns meistens gelungen, alle Themen, die den Beteiligten am wichtigsten waren, in unserem Wochenende unterzubringen, wobei wir uns nicht allzu lange Pausen gönnen und oft auch abends noch weiterarbeiten. Manchmal spielen wir auch, gehen spazieren oder machen Körperübungen, gutes Essen und Trinken sind uns ebenfalls wichtig.

Ohne dass wir das vorhatten, ist quasi nebenbei nun dieses Blog entstanden, da wir es reizvoll fanden, zu dem beim diesjährigen Treffen gefundenen Bild der „fünf schönen Königinnen“ Assoziationen, Bilder, Fotos, Gedichte, Lieder und Erzählungen zu sammeln.

3 Gedanken zu „Wer wir sind

  1. Pingback: Fünf schöne Königinnen « Schöne Königinnen

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